PSRT-Intervention
11 Module · 11 Wochen · 90 Minuten pro Sitzung
Persönlichkeitsorientiertes Selbststeuerungstraining
Das Persönlichkeitsorientierte Selbststeuerungstraining (PSRT) ist ein strukturiertes Gruppenprogramm, das die reguläre Rehabilitation ergänzt. Es besteht aus elf Modulen, die über elf Wochen aufeinander aufbauen. Jede Sitzung dauert 90 Minuten. Das erste Modul findet als Einzelgespräch statt, die übrigen in einer kleinen Gruppe von bis zu acht Teilnehmenden.
Der Aufbau ist bewusst aufeinander abgestimmt: Jedes Modul greift die Kompetenzen der vorherigen Sitzungen auf und erweitert sie. Das Training beginnt damit, zu klären, was den Teilnehmenden wirklich wichtig ist. Darauf folgen der Umgang mit Gefühlen und Impulsen sowie das wertorientierte Handeln, und am Ende steht die Anwendung des Gelernten im Alltag.
Auf einen Blick
Elf Wochen, je 90 Minuten pro Sitzung.
Selbststeuerung wird erlebbar
Die Besonderheit des PSRT liegt darin, dass Selbststeuerung nicht als Theorie erklärt, sondern als Erfahrung erlebbar wird. Die regulativen Prozesse werden im Hier und Jetzt der Gruppe sichtbar gemacht. Was sonst abstrakt bleibt, lässt sich so direkt beobachten, benennen und üben.
Deshalb wird jeder Baustein des Trainings an einem praktischen Fall erarbeitet. Im Idealfall stammt dieser aus der Gruppe selbst: eine aktuelle Situation, die eine teilnehmende Person einbringt und die gemeinsam mit Hilfe des Gelernten betrachtet wird. Bringt die Gruppe gerade keine passende Situation mit, wird auf einen vorbereiteten, konstruierten Fall zurückgegriffen. So wird jedes Konzept an einem konkreten, nachvollziehbaren Beispiel erlebbar.
Dadurch ist das Vorgehen zugleich eng an das aktuelle Rehageschehen gekoppelt. Weil mit dem gearbeitet wird, was die Teilnehmenden gerade beschäftigt, greift das Training die realen Themen des Rehabilitationsprozesses unmittelbar auf, statt einem starren Ablauf zu folgen. So fügt es sich nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich eng in die laufende Rehabilitation ein.
Die Module im Einzelnen
Alle elf Module im Überblick — für die Details aufklappen.
1 Was ist mir wichtig?
Bedürfnisse, Werte und Lebensziele
Einzelsetting
Was ist mir wichtig?
Bedürfnisse, Werte und Lebensziele
Das Training beginnt bewusst mit einem ausführlichen Einzelgespräch – geschützt, ohne Gruppe und ganz auf die einzelne Person zugeschnitten. Gemeinsam mit der Trainingsleitung klären die Teilnehmenden, welche grundlegenden Bedürfnisse, persönlichen Werte und Lebensziele hinter ihrem Handeln stehen. In einem strukturierten, begleiteten Gespräch arbeiten sie heraus, was ihnen wirklich wichtig ist, und betrachten offen, wie der bisherige Konsum mit diesen Zielen zusammenhängt – wo er ihnen im Weg steht und welche Funktion er bisher erfüllt hat. So entsteht ein persönlich bedeutsamer Bezugsrahmen, der die Teilnehmenden emotional erreicht und ihnen über alle folgenden Wochen als stabiler Anker dient: ein klares Bild davon, wofür sich die Anstrengung lohnt.
2 Wie Selbststeuerung funktioniert
Die Persönlichkeit als dynamisches System
Gruppe
Wie Selbststeuerung funktioniert
Die Persönlichkeit als dynamisches System
Mit dem zweiten Modul beginnt die Arbeit in der Gruppe. Die Teilnehmenden bekommen ein verständliches Bild davon, wie die eigene Persönlichkeit funktioniert – nicht als starres Wesen, sondern als dynamisches Zusammenspiel von Gefühlen, Motivation, Denken und Wollen, die sich fortlaufend gegenseitig beeinflussen. Besonders deutlich wird, welche Rolle Gefühle dabei spielen: ob wir im entscheidenden Moment noch Zugang zu unseren eigenen Zielen haben und tatsächlich ins Handeln kommen – oder ob uns eine Situation überrollt. Dieses gemeinsame Grundverständnis bildet die Sprache, auf die alle folgenden Module zurückgreifen.
3 Gefühle wahrnehmen und steuern
Affekte wahrnehmen und regulieren
Gruppe
Gefühle wahrnehmen und steuern
Affekte wahrnehmen und regulieren
Aufbauend auf diesem Grundverständnis üben die Teilnehmenden, körperliche und emotionale Signale früher und genauer wahrzunehmen und voneinander zu unterscheiden. Sie lernen, feine Vorboten eines Gefühls zu bemerken, bevor es übermächtig wird, und zu benennen, was ein Signal ihnen sagt. Gefühle bewusst wahrzunehmen und regulieren zu können ist die Voraussetzung dafür, den Zugang zu sich selbst zu behalten und Emotionen in das eigene Handeln einzubeziehen, statt von ihnen überrollt zu werden. Diese geschärfte Wahrnehmung ist das Werkzeug, mit dem in den folgenden Modulen weitergearbeitet wird.
4 Wahrnehmung, Bewertung und Deutung trennen
Automatische Bewertungen entkräften
Gruppe
Wahrnehmung, Bewertung und Deutung trennen
Automatische Bewertungen entkräften
Häufig verstärken sich Gefühle, weil wir eine Situation blitzschnell bewerten und deuten, ohne es überhaupt zu merken. Dieses Modul hilft, drei Ebenen sauber auseinanderzuhalten: was tatsächlich passiert, wie wir es bewerten und welche Bedeutung wir ihm geben. An konkreten Beispielen wird geübt, diese Ebenen im Moment zu erkennen. Werden sie bewusst getrennt, verlieren automatische, gefühlsverstärkende Bewertungen einen großen Teil ihrer Kraft – das entlastet spürbar im Kopf und macht den Umgang mit belastenden Situationen flexibler und weniger zwingend.
5 Impulse erkennen und unterbrechen
Impulsive Muster früh stoppen
Gruppe
Impulse erkennen und unterbrechen
Impulsive Muster früh stoppen
Aufbauend auf der geschärften Wahrnehmung der vorigen Module rücken nun die eigenen Muster in den Blick. Die Teilnehmenden analysieren, welche Auslöser bei ihnen zu impulsivem Verhalten führen, und lernen, die ersten Anzeichen einer aufkommenden Handlungstendenz früh zu erkennen – oft schon, bevor ihnen der Drang bewusst wird. Gemeinsam werden konkrete Strategien entwickelt und eingeübt, mit denen sich impulsive Ketten rechtzeitig unterbrechen lassen, bevor sie zum Konsum oder anderem unerwünschten Verhalten führen. Der Gewinn ist ein Zeitfenster zwischen Reiz und Reaktion, in dem eine echte Entscheidung möglich wird.
6 Nach den eigenen Werten handeln
Wertebasiertes Handeln stärken
Gruppe
Nach den eigenen Werten handeln
Wertebasiertes Handeln stärken
Dieses Modul knüpft unmittelbar an die Wertearbeit aus Modul 1 an. Im Mittelpunkt steht, das eigene Handeln stärker an den persönlich bedeutsamen Werten und Bedürfnissen auszurichten – also nicht nur unerwünschtes Verhalten zu vermeiden, sondern positiv auf das zuzugehen, was wirklich zählt. Die Teilnehmenden erkennen Handlungsmuster, die ihren eigenen Werten widersprechen, und entwickeln dazu konkrete Alternativen. Wertebasiertes Handeln stärkt die Motivation, die aus einem selbst kommt, und gibt zugleich emotionale Stabilität, weil das eigene Tun sich wieder stimmig anfühlt.
Noch ein Hinweis zu Modul 7 bis 10
Diese vier Module dienen dazu, die erworbenen Kompetenzen zu festigen und auf den eigenen Alltag zu übertragen. Schritt für Schritt wenden die Teilnehmenden das Gelernte auf reale Situationen an und entwickeln individuelle Strategien.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Arbeit in der Gruppe: Die Teilnehmenden bringen ihre aktuelle Situation und konkrete Probleme ein und betrachten sie gemeinsam mit Hilfe der zuvor erarbeiteten Konzepte. Im geschützten Rahmen der Gruppe lernen sie, das eigene Erleben zu reflektieren, von den Erfahrungen der anderen zu profitieren und neue Sichtweisen sowie Handlungsmöglichkeiten für ihre eigene Lebenslage zu entwickeln.
7 Selbststeuerung im Alltag anwenden
Anwendung und Vertiefung
Gruppe
Selbststeuerung im Alltag anwenden
Anwendung und Vertiefung
Ab hier verlagert sich der Schwerpunkt vom Verstehen zum Anwenden. Die Teilnehmenden übertragen die geübten Strategien auf konkrete Alltagssituationen und sammeln erste Erfahrungen damit, wie Selbststeuerung außerhalb der geschützten Gruppensituation gelingt. Was dabei gut auffällt und was noch schwerfällt, wird in der Gruppe gemeinsam reflektiert und Schritt für Schritt angepasst.
8 Stressoren und Risikosituationen
Anwendung und Vertiefung
Gruppe
Stressoren und Risikosituationen
Anwendung und Vertiefung
Hier identifizieren die Teilnehmenden ihre ganz persönlichen Stressauslöser und Risikosituationen – jene Momente, in denen die Gefahr eines Rückfalls besonders groß ist. Für genau diese Situationen entwickeln sie gezielte, vorab durchdachte Strategien, um die eigene Selbststeuerung auch unter Belastung aufrechtzuerhalten. So entsteht ein persönlicher Plan, der greift, wenn es darauf ankommt.
9 Handeln unter emotionaler Belastung stabilisieren
Anwendung und Vertiefung
Gruppe
Handeln unter emotionaler Belastung stabilisieren
Anwendung und Vertiefung
Dieses Modul übt, auch bei starker emotionaler Belastung zielgerichtet handlungsfähig zu bleiben. Gerade wenn Gefühle groß werden, verlieren viele den Zugang zu ihren eigenen Zielen und fallen in alte Muster zurück. Die Teilnehmenden erproben, wie sie in solchen Momenten an dem festhalten, was ihnen wichtig ist, und ihre Handlungsfähigkeit bewahren, statt sie an den Affekt abzugeben.
10 Umgang mit Rückschlägen
Anwendung und Vertiefung
Gruppe
Umgang mit Rückschlägen
Anwendung und Vertiefung
Rückschläge werden ausdrücklich angesprochen – nicht als Scheitern, sondern als normaler Teil eines lebendigen Veränderungsprozesses. Die Teilnehmenden entwickeln hilfreiche, wohlwollende Reaktionen darauf, damit ein einzelner Rückschritt nicht den gesamten Weg infrage stellt oder eine Abwärtsspirale auslöst. Ziel ist, nach einem Ausrutscher schnell und ohne Selbstabwertung wieder in die eigene Spur zu finden.
11 Zusammenführen und mitnehmen
Integration und Transfer
Gruppe
Zusammenführen und mitnehmen
Integration und Transfer
Das letzte Modul führt die Erkenntnisse des gesamten Trainings zusammen und festigt sie. Die wichtigsten Inhalte werden in ein persönliches Selbststeuerungsmotto verdichtet: einen kurzen, einprägsamen Leitsatz, der die eigene Strategie auf den Punkt bringt und im Alltag schnell abrufbar ist. Dieses Motto soll helfen, die gelernten Kompetenzen über das Training hinaus dauerhaft mitzunehmen – ein greifbares Andenken an den eigenen Weg durch die elf Wochen.
Wie das Training durchgeführt wird
In allen Modulen steht das eigene Erleben im Vordergrund: durch Reflexionsübungen, strukturierte Aufgaben zwischen den Sitzungen und die gemeinsame Reflexion in der Gruppe. Das PSRT folgt einem festen Manual und wird von einem geschulten Psychologen geleitet. Standardisierte Materialien und regelmäßige Supervision sorgen für vergleichbare Inhalte und eine verlässliche Qualität. Da das Training die reguläre Rehabilitation ergänzt und nicht ersetzt, lässt es sich gut in den bestehenden Klinikalltag einfügen.
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