Im International Journal of Mental Health and Addiction ist ein Fachartikel aus dem Umfeld des PSRT-Projekts erschienen. Die frei zugängliche Arbeit „Failure-Related State Orientation and Self-Esteem Change in Inpatient Addiction Treatment for Illicit Drug Addiction” untersucht, wie fehlerbezogene Lageorientierung (AOF) mit dem Selbstwert von Menschen in stationärer Drogenentwöhnung zusammenhängt – und wie sich der Selbstwert im Verlauf der Behandlung verändert.
Die Publikation
Fankhänel, T., Wicha, U., Melzer, S., Frese, T., & Domurath, J. (2026). International Journal of Mental Health and Addiction. Der Beitrag wurde am 18. September 2025 eingereicht, am 21. Februar 2026 angenommen und ist als Original Article im Open Access frei zugänglich.
Zur Publikation (DOI: 10.1007/s11469-026-01650-2)
Was untersucht wurde
Eine Abhängigkeit von illegalen Drogen geht häufig mit einem niedrigen Selbstwert einher. Auch eine ausgeprägte Lageorientierung nach Misserfolg – die Tendenz, nach Fehlschlägen gedanklich zu verharren, statt handlungsfähig zu bleiben – gilt als möglicher Risikofaktor für einen geminderten Selbstwert. Die stationäre Entwöhnungsbehandlung setzt genau hier an: Sie soll den Umgang mit selbstwertbedrohlichen Erfahrungen verbessern.
In einem 24-wöchigen stationären Entwöhnungsprogramm wurde die fehlerbezogene Lageorientierung zu Behandlungsbeginn erhoben, der mehrdimensionale Selbstwert (MSWS) zu Beginn und bei Entlassung. Von 261 aufgenommenen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden schlossen 134 die Behandlung ab und gingen in die Längsschnittauswertung ein. Lineare gemischte Modelle prüften die Effekte von Zeit, Lageorientierung und ihrer Wechselwirkung, kontrolliert für Alter und Geschlecht.
Ergebnisse
Der emotionale, soziale und körperbezogene Selbstwert stieg im Behandlungsverlauf signifikant an; der leistungsbezogene Selbstwert veränderte sich nicht. Eine stärker ausgeprägte fehlerbezogene Lageorientierung ging über alle Messzeitpunkte hinweg mit einem niedrigeren emotionalen, sozialen und körperbezogenen Selbstwert einher. Die Wechselwirkungen zwischen Zeit und Lageorientierung waren nicht signifikant.
Die Autoren regen an, künftig gezielt Strategien zu untersuchen, die den Selbstwert lageorientierter Personen zusätzlich stärken – ein Anliegen, das unmittelbar an die Ziele des Persönlichkeitsorientierten Selbststeuerungstrainings anknüpft.